© Martin Kluger / context verlag Augsburg

Zwei Fuggerhäuser und
„aller Bergwerke Mutter“

In der Bergbaustadt Schwaz: drei Epitaphe der Fugger und zwei Fuggerhäuser

Der Legende nach wurde Schwaz 1409 zur Bergbaustadt. Doch Kupfererz wurde hier schon in vorgeschichtlicher Zeit abgebaut. Die Gewinnung von Kupfer und Silber war zuerst ein Geschäft, das heimische Gewerken – aus Schwaz, Hall oder Innsbruck – betrieben. Doch schon 1487 erwarben die Fugger Anteile an der Handelsfirma eines Kufsteiner Großunternehmers. 1522 stieg Jakob Fugger „der Reiche“ mit Bergwerks­anteilen und Hüttenwerken aus der Konkursmasse dieses Gewerken in die Montan­wirtschaft in Schwaz ein. In der Folge wurde Schwaz zu einem der bedeutendsten Standorte der Fugger: 1546 verlagerte Anton Fugger die Firmenzentrale zeitweilig von Augsburg dorthin. Zwei Fuggerhäuser und drei Epitaphe, ein Denkmal und der Knappensteig erinnern an die Ära der Fugger, die in Schwaz 1657 endete.

Tipp

„Aller Bergwerke Mutter“ wurde das Silberbergwerk am Falkenstein in Schwaz genannt. Geschätzte 300 Kilometer lang unterminieren dort bis heute Stollen und Schächte den Berg über der Stadt am Innufer. 800 Meter tief können Besucher des Silberberg­werks mit der Grubenbahn einfahren. Sie folgen den Spuren der Bergknappen, die vor 500 Jahren Erz abbauten. Das Silberbergwerk in Schwaz gehört zu den größten Sehenswürdig­keiten Tirols. Ein animiertes 360-Grad-Panorama vermittelt online einen ersten Eindruck von der Welt unter Tage.

Silberbergwerk
360-Grad-Panorama

Im Silberbergwerk in Schwaz
© Thomas Baumgartner / context verlag Augsburg

In der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts waren die Bergbaureviere in Schwaz und am Röhrerbühl bei Kitzbühel die bedeutendsten Standorte der europäischen Montanwirtschaft. Dort wurde zwischen 1506 und 1545 jeweils rund die Hälfte des Silbers und des Kupfers im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation gewonnen. Weil Bergarbeiter von weit her nach Tirol strömten, war Schwaz um 1510 mit ungefähr 20.000 Einwohnern die zweitgrößte Siedlung (mit Stadtrecht erst ab 1899) innerhalb der Grenzen des heutigen Österreich.

Das erste Fuggerhaus in Schwaz, das heutige Rathaus
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Das Rathaus, das Kreuzwegerhaus und die Knappenkirche erinnern an die Fugger

Die Fugger, die das Edel- und Buntmetallgeschäft in Tirol zunächst von einer Schreibstube in Innsbruck, ab der Zeit um 1511 von ihrer Faktorei in Hall aus steuerten, hatten in den 1520er-Jahren eine Schreibstube im sogenannten Stöcklhaus angemietet. Die Türflügel im heutigen Rathaus von Schwaz zeigen deshalb (moderne) Fuggerlilien. Dem ersten Fuggerhaus in Schwaz folgte bald ein zweites: Die Fugger ließen um 1525 das heutige Kreuzwegerhaus bauen, das 1539 zur Faktorei und damit zur Zentrale der Bergbauaktivitäten der Augsburger Firma in Tirol wurde. Am östlichen Erker dieses Fuggerhauses hat man 1955 ein aus Kupferblech getriebenes Denkmal für den 1525 in Schwaz verstorbenen Ulrich Fugger d.J. angebracht. Bis 1571 war dieses Fuggerhaus im Besitz der Augsburger Firma, die sich erst 1657 aus dem Tiroler Bergbau zurückzog.

Ein aus Kupfer gegossenes Epitaph für Ulrich Fugger d.J. findet man  in der 1502 geweihten Schwazer Pfarrkirche „Zu unserer lieben Frau“, die größte gotische Hallenkirche Tirols. Die ursprünglich weit kleinere Pfarrkirche musste um 1490 wegen des enormen Bevölkerungszuwachses erweitert werden. So entstand eine vierschiffige Kirche mit zwei Hauptschiffen – das eine für die „vornehmeren“ Bürger, das andere für die durch eine Bretterwand von ihnen abgegrenzten Bergarbeiter. Heute wird der mächtige Sakralbau Knappenkirche genannt. Wie zuvor Ulrich Fugger d.J. ließen sich 1633 auch Hieronymus Fugger und 1643 Georg Fugger im Knappenchor bestatten, wo man später ihre steinernen Epitaphe in die Wand eingelassen hat.

Denkmalbüste Ulrich Fuggers d.J. am zweiten Fuggerhaus – dem Kreuzwegerhaus – an der Fuggergasse
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Im Kreuzgang des Franziskanerklosters: der Fugger und die Schatztruhe, die das Habsburgerreich rettete

Anton Fugger, der Neffe und Nachfolger Jakob Fuggers „des Reichen“, hatte 1526 den Schwazer „Berg-, Schmelz- und Pfennwerthandel“ gegründet. (Der Pfennwerthandel übernahm die Versorgung tausender Bergleute und ihrer Familien mit Nahrungsmitteln sowie mit Werkzeugen und Unschlitt für die Lampen, die den Knappen unter Tage das wenige Licht spendeten.) 1546 – während des Schmalkaldischen Kriegs – verlegte Anton Fugger sogar die Zentrale der Fuggerfirma aus dem damals überwiegend protestantischen Augsburg in das für ihn sicherere Tirol. Von Schwaz aus finanzierte der katholische Augsburger Kaufherr, Bankier und Montanunternehmer die Feldzüge Kaiser Karls V. gegen die Truppen der protestantischen deutschen Fürsten. Daran erinnert sehr wahrscheinlich ein Gemälde im Kreuzgang des Franziskanerklosters, das 1507 von Kaiser Maximilian I. gegründet worden war: Ein Mann mit den Gesichtszügen Anton Fuggers greift in eine mit Goldmünzen gefüllte Truhe – wohl eine Anspielung auf jene Zeit, in der ein Fugger mit seiner Kapitalkraft das Habsburgerreich vor dem Untergang rettete.

Nur ein paar Schritte vom Franziskanerkloster entfernt findet man das Orglerhaus, wo der Arzt, Alchemist und Astrologe Theophrastus Bombast von Hohenheim – genannt Paracelsus – einige Zeit lebte. Paracelsus war wegen einer Schrift zur Behandlung der Syphilis mit den Fuggern (die Guajakholz als Heilmittel gegen diese Lustseuche aus der Neuen Welt importierten) in Konflikt geraten. Über dem gotischen Portal des Orglerhauses zeigt eine sogenannte Erzstufe (ein eingemauerter Erzbrocken), dass dieses Haus einst einem Bergwerksunternehmer (Gewerken) gehörte. Derartige – auch Handsteine genannte – Erzstufen entdeckt man über etlichen Portalen von Altstadthäusern in Schwaz. An den Bergbau in Schwaz erinnert übrigens auch das Knappendenkmal vor dem Kreuzwegerhaus, dem Fuggerhaus an der Fuggergasse, sowie ein Bergwerkslehrpfad, der „Knappensteig“.

Sehenswürdigkeiten, aktuelle Ausstellungen und Tipps

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Das Knappenspiel „Silberberg“

„Silberberg“ ist ein Theaterstück über den Bergsegen im 16. Jahrhundert, mit dem Schwaz sich selbst und Kaiser Maximilian I. feiert, dessen Todestag sich 2019 zum 500. Mal jährte. Eine (Bergbau-)Geschichte um Reichtum und Armut, Macht und Recht, Mystik und Liebe, Kampf und Revolution.

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Das Silberbergwerk in Schwaz

Das Schwazer Silberbergwerk ist eine der größten Sehenswürdigkeiten Tirols. Das um 1500 bedeutendste Silberbergwerk Europas ist ein unvergessliches Erlebnis unter Tage. Besucher fahren mit der Grubenbahn 800 Meter tief ein – danach sehen sie Erzabbaustollen, Bergknappen und die Schwazer Wasserkunst.

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Der "Schwazer" Kappensteig

Mit dem neu umgesetzten und inszenierten „Schwazer Knappensteig“ haben Sie die einzigartige Möglichkeit, die historischen Stätten des Bergbaues im Bergbaurevier Falkenstein an ihren Originalschauplätzen zu besichtigen und zu erleben.

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Führungen zu Fuggern, Gewerken und Bergknappen

Drei Themenführungen – „Die Fugger“, „Die Gewerken“ und „Die Pfarrkirche in Schwaz“ – zeigen Spuren des Bergbaus in Schwaz. Diese Stadtführungen leiten zu zwei Fuggerhäusern, zu Bauten reicher Tiroler Gewerken und in die spektakuläre Knappenkirche – wo man drei Epitaphe der Fugger entdeckt.

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Burg Freundsberg

Hoch über Schwaz thront die Burg Freundsberg – eine Bilderbuchburg mit fantastischer Aussicht auf die Stadt und das Inntal. Die Burg erinnert auch an Geschäfte zwischen den Frundsbergern und den Fuggern – und an eine Ehe, die den Fuggern die Mindelburg und (fast) die Stadt Mindelheim einbrachte.

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Kostenlose Stadtführungen durch die Silberstadt

Von Juni bis Mitte September: Die kostenlosen Stadtführungen „Auf den Spuren des Silbers“ zeigen versteckte Sehenswürdigkeiten der Bergbaustadt Schwaz: ganz besondere Orte, die bislang für die Öffentlichkeit verborgen waren – und die ihre Pforten nur für Teilnehmer dieser Führungen öffnen.

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Das Fuggerschloss Tratzberg

Das prachtvolle Renaissanceschloss Tratzberg ist eines der schönsten und auch am schönsten gelegenen Schlösser Tirols. Die originale Innenausstattung macht dieses Schloss, das zeitweise den Fuggern gehörte, besonders sehenswert. Ihre Spuren findet man unter anderem in der „Fuggerstube“.

© hall-wattens.at

Radwandern auf den Silberpfaden der Fugger

Von Augsburg nach Innsbruck oder Rosen­heim: Auf gemütli­chen Radwander­wegen entlang der Flüsse Lech und Inn finden sich Highlights wie die einstige Residenz der Fugger­familie in Augsburg, die weltweit erste Münzpräge­maschine in der his­to­rischen Metropole Hall in Tirol sowie das Silber­berg­werk in Schwaz.